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Geschichte des Posaunenchor Riehen


Dieser Artikel stammt aus der Festschrift zu "125 Jahre CVJM Riehen 1875 - 2000" von Michael Raith (leicht gekürzt)

Geschichte des Posaunenchor Riehen

Schon vor dem Jahre 1910 schlummerte in den Herzen und Köpfen einiger Mitglieder des CVJM Riehen der stille Wunsch, einen - wie es in der frommen Welt damals beliebt war - Posaunenchor zu gründen. Da aber der Posaunenchörler nicht wie der Sänger sein Musikinstrument gratis in die Wiege mitbekommt und nicht dort schon die ersten Proben und Aufführungen abhalten kann, dauerte es noch bis 1913, bis der Posaunenchor des CVJM Riehen - vor allem durch die Initiative der Gebrüder Hans (1889-1967) und Ernst Fischer, sowie dem damals in Riehen wohnhaften Zollbeamten Heinrich Buchmann (1883-1953) - gegründet werden konnte.
In diesem Jahr nämlich wurden den Initianten die Instrumente einer eingegangenen Musik in Holzen (heute zu Kandern, Landkreis Lörrach) zu günstigen Bedingungen (80 Mark) angeboten. Ungesäumt machte sich Hans Fischer, der langjährige Präsident des Chores, in Begleitung eines sogenannten Sachverständigen auf den Weg. Der Kauf kam zustande, und freudig bewegt fuhr man mit der kostbaren Fracht per Break heimwärts. Die stolze Freude wurde auch durch die verdächtige Tatsache, dass die Zollorgane die teure Fracht verständnisvoll lächelnd als Altmessing mit nur zwei Franken Zoll passieren liessen, nicht gedämpft.
Nun konnte es vorwärts gehen, hatte man doch in der Person von Heinrich Buchmann einen talentierten Dirigenten gefunden. Etwa zehn Mitglieder erklärten sich freudig bereit, ihre Künste zu versuchen.

Leider zeigte sich aber dann alsbald, dass die Instrumente auch den äusserst bescheidenen Ansprüchen eines Anfängerchores nicht genügten. Angeblich hätten sie nur, gemäss ihrem Herkunftsort, zum "Holzen" getaugt. Ja, aller Anfang ist schwer! Doch die Hauptsache bestand darin, dass man nun einmal begonnen hatte.
Die ersten Musikstunden fanden im Bauernhaus der Familie Fischer an der Baselstrasse 24 statt. Bald konnten auch brauchbare Instrumente angeschafft werden und der Chor entwickelte sich verhältnismässig rasch, so dass er schon im Oktober 1913, anlässlich einer Versammlung von Evangelist Jakob Vetter, die erste Feuerprobe bestehen konnte. Während der nachfolgenden Winterzeit formulierte man Statuten und es wurde tüchtig weiter geübt, eine Kommission bestellt und der Chor als eine Sektion des CVJM organisiert, in dem Sinne, die Musik nicht als Selbstzweck zu betreiben, sondern sie den Zielen des CVJM dienen zu lassen.
Ein freudiges Ereignis in dieser ersten Entwicklungszeit war die Einweihung des Vereinshauses am Erlensträsschen am 8. März 1914. Nicht nur hatte der Chor bei dieser Gelegenheit den ersten grösseren Auftritt, es stand ihm nun auch für lange Jahre - erst 1964 wechselte man in die Aula des Wasserstelzenschulhauses und 1995 in die Kornfeldkirche - ein geräumiges Übungslokal zur Verfügung.

Schwierige Bedingungen schufen der Wegzug und damit Rücktritt des hochverdienten Dirigenten Buchmann im Jahre 1918. Als dann 1922 auch sein Nachfolger, der noch junge Carl Eger (1896-1975), Riehen verliess, ergriff notgedrungen Hans Fischer den Dirigentenstab. Wenn in dieser Zeit auch das äussere Wachsen ausblieb, gelang es doch, die kleine Schar immer mehr zu verbinden und zu beleben. Im Jahre 1927 konnte endlich wieder ein neuer Dirigent gewonnen werden, Gottfried Müller-Ott (1902-1988). Seiner grossen Initiative und starken Hand verdankte der Chor einen bedeutenden musikalischen Fortschritt.
Im Jahre 1931 erfolgte der Beitritt des Chores zum Verband schweizerischer Posaunenchöre (VSP). Von 1935 bis 1949 übernahm nochmals der temperamentvolle Heinrich Buchmann die Leitung des Chores. Ihm folgte von 1949 bis 1959 Willi Betz (*1934) als Dirigent. Dieser verstand es, Junge fürs Mitblasen zu begeistern und fand auch für die älteren Bläser stets den richtigen Ton. So wuchs der Chor unter seiner Leitung zahlen- und leistungsmässig sehr stark. Die Zahl der aktiven Bläser ist seit seinem Weggang immer bei rund 30 stehengeblieben. Für zwei Jahre übernahm dann Ernst Trächslin (*1934), Mitglied seit 1966, die Leitung des Chores. Ihm folgte von 1961 bis 1965 Ernst Neukomm (*1939) und diesem wieder für zwei Jahre Rolf Schüpbach (1945-1980). Von 1967 an wurde der Chor musikalisch und pädagogisch bestens erfahrenen Hans Rüdiger (*1925) geleitet. Jeder dieser Dirigenten prägte auf seine Weise den Chor und ihnen gebührt Dank für alles, was sie dem Verein gaben.
Grosse Verdienste erwarben sich auch die Präsidenten. Besonders erwähnt seien hier neben Hans Fischer, dem Mitbegründer, Reinhard Bammerlin (1910-2000), Mitglied seit 1925, und Fritz Jungck, welcher dem Chor mehr als 20 Jahre vorstand und jahrzehntelang als Posaunist mitspielte.

Der Chor ist den Vorstellungen der Gründer treu geblieben. Noch heute steht das Vortragen von Chorälen und geistlichen Musikstücken im Vordergrund und das Mittun im Posaunenchor erfolgt nicht allein aus der Freude am gemeinsamen Musizieren, sondern ebenso aus der Überzeugung heraus, dass der CVJM-Posaunenchor einen Dienst bei der Verkündigung des Evangeliums zu erfüllen hat.

Wie der Stammverein und der Sportverein des CVJM Riehen besitzt auch der Posaunenchor seit 1978 die Rechtsform eines Vereins. Auch im musikalischen Bereich musste er sich den veränderten Verhältnissen und Ansprüchen der neuen Zeit in angemessenem Rahmen öffnen. Beim Lesen der Berichte im Verbandsorgan "Evangelische Musikzeitung" kann man ebenfalls diese Entwicklung im strukturellen und musikalischen Bereich erkennen, haben doch in den letzten 20 Jahren mehr als die Hälfte der Verbandsvereine die Umstellung auf Brass Band-Besetzung vollzogen.

Als ein Novum in der Geschichte des Posaunenchores kam es in den letzten Jahren schon mehrmals vor, besonders etwa in der Ferienzeit, dass man sich wegen personeller Besetzungsprobleme sowohl beim CVJM als auch im Musikverein Riehen, gegenseitig Aushilfe leistete. Dies wäre vor 30 und mehr Jahren nicht denkbar gewesen, dies nur schon im Blick auf die damaligen musikalischen Leistungsunterschiede. Als Beispiel eines solchen gemeinsamen Auftritts sei die Mitwirkung des CVJM-Posaunenchors an der Feier zum 700 Jahr-Jubiläum der Eidgenossenschaft in der Reithalle des Wenkenhofs am 5. Mai 1991 erwähnt, damals Abschluss des jährlichen Bannumganges der Bürgerkorporation Riehen.

Während einer erfreulichen Blütezeit des Chores von den 1950er bis in die 1980er Jahre kannte er kaum Nachwuchsprobleme. Dies hat sich im letzten Jahrzehnt leider etwas im negativen Sinne verändert.

Aus der Vielzahl der Ereignisse in der neuesten Geschichte des CVJM-Posaunenchors seien folgende erwähnt: Am 12. März 1988 wurde das 75 Jahr-Jubiläum des Posaunenchors mit einem Jubiläumskonzert im Landgasthof gefeiert. Anno 1993 wurde nach jahrelangen Diskussionen die Einführung einer einfachen - aus Hemd und Krawatte bestehenden - Uniform beschlossen.

Am 18./19. Juni 1994 fanden die Schweizerischen Posaunentage in Riehen, Basel und auf der St. Chrischona mit etwa 1400 Blasenden und einer Schlusskundgebung mit dem Gesamtchor auf dem Basler Münsterplatz statt.
Im Jahre 1999 trat der Posaunenchor dem Musikverband des Kantons Basel-Stadt bei.

Für den bald 90-jährigen CVJM-Posaunenchor ist zu hoffen, dass er mit Gottes Hilfe und begleitet von seinem Segen, auch im angebrochenen, neuen Jahrhundert seinen schönen Auftrag in unserem Dorf und der Region erfüllen kann. Dazu muntern ihn immer wieder zahlreiche biblische Texte etwa aus den Psalmen auf.